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Mitteilungsblatt Nordheim

Neues aus Nordheim und Nordhausen

Die Familiengeschichte von Esmeralda

Erfasst von: Redaktion, Aslan, Selin | 01.10.2026

Immer mal wieder lassen wir hier Menschen zu Wort komme, welche ihre ursprüngliche Heimat verlassen haben. Viele vom ‚Freundeskreis Miteinander’ kennen die betreffenden Personen und haben mit ihrer Unterstützung dazu beigetragen, dass Integration gelingt und eine Lebensgeschichte gute Wendungen nehmen kann.
Diesmal ist es keine übliche Fluchtgeschichte, sondern eine Familiengeschichte – mit Ausreise, Rückkehr und legaler Einreise... – eine Geschichte, die Einblick in die Vielfalt gibt, warum ein Neuanfang gewagt wird.

Hoffnungen, falsche Ratschläge, Enttäuschungen... und mutig zurück auf Start

Mein Name ist Esmeralda. Ich komme aus Tirana in Albanien. Mein Mann, mein Sohn und ich leben in Nordheim. Hier arbeite ich inzwischen als leitende Pflegefachkraft. Wenn ich heute zurückblicke, sehe ich unseren Weg nach Nordheim wie eine Reise in mehreren Etappen, mit Umwegen, neuen Anfängen und vielen Entscheidungen.

Schon als Kind habe ich erlebt, was es bedeutet, füreinander da zu sein. Mein Vater nahm damals vor dem Krieg geflüchtete Familien aus dem Kosovo bei uns auf. Nach dem Schulabschluss habe ich in Tirana als Kosmetikerin gearbeitet, aber auch als Sekretärin und Verkäuferin. Mein Mann Dritan kommt ebenfalls aus Tirana, lebte aber schon seit seiner Jugend in Griechenland. Kennengelernt haben wir uns während eines Osterbesuchs, durch Verwandte und Freunde. Danach begann eine Zeit des Pendelns: Ich besuchte ihn in Griechenland, aber mein Leben und meine Arbeit waren in Albanien. Gemeinsames Leben war nur wenige Wochen im Jahr möglich. Als unser Sohn Reian 2013 geboren wurde, wussten wir, dass wir etwas ändern müssen. Nach vielen Überlegungen rieten uns Freunde, nach Deutschland zu gehen. 2015 flogen wir nach Deutschland und stellten zunächst einen Asylantrag. Unsere ersten 45 Tage verbrachten wir in einem großen Lager. Es war eine schwierige Zeit: mit fremder Sprache, in fremder Umgebung und der Unsicherheit, wie es weitergeht. Dann kamen wir nach Nordhausen in ein Containerdorf. Dort begann sich etwas zu verändern. Menschen kamen auf uns zu, halfen uns, ganz praktisch und ganz menschlich. Ich erinnere mich an warme Suppe, an ein freundliches Wort, an Menschen wie Lorle, die uns einfach angenommen haben. Zum ersten Mal fühlten wir uns ein bisschen angekommen.

Ich wollte Deutsch lernen, so schnell wie möglich. Einen offiziellen Kurs gab es noch nicht, aber ich hatte Unterstützung aus dem Asylkreis Nordheim. Innerhalb von sechs Monaten konnte ich mich verständigen. Zwei Jahre lebten wir in einem kleinen Zimmer im Containerdorf. Jahre, die schwer waren, aber gleichzeitig auch voller Hilfe, Nähe und Gemeinschaft, mit Menschen, die uns zur Seite standen. Als unser Sohn einmal schwer erkrankte und operiert werden musste, wären wir ohne diese Unterstützung verloren gewesen. Diese Erfahrung werde ich nie vergessen.

Irgendwann mussten wir eine Entscheidung treffen. Wir waren ehrlich, wir sagten, dass wir nicht aus politischen Gründen geflohen sind. 2017 gingen wir deshalb zurück nach Albanien. Mein Mann arbeitete wieder in Griechenland, ich kümmerte mich um unseren Sohn, meine Eltern und arbeitete weiter. Aber der Wunsch nach einem gemeinsamen Leben ließ mich nicht los. 2019 traf ich eine neue Entscheidung. Ich wollte nach Deutschland zurückkehren und eine Ausbildung zur Krankenpflegerin machen (möglich nach § 17 AufenthG, heute Fachkräfteeinwanderungsgesetz). Ich hatte mir in der Zwischenzeit selbst weiter Deutsch beigebracht und bereits ein A2-Niveau erreicht. In Deutschland machte ich dann schnell den B2-Abschluss und bin in der Mathilde-Pank-Schule zur Ausbildung zugelassen worden. Die ersten drei Monate hat mich meine Familie begleitet. Danach musste sie zurück nach Albanien.

Es gab in dieser Zeit viele Hürden, viel Bürokratie, viel Unsicherheit, aber auch Hilfe. Insbesondere Familie Koller sowie auch viele andere standen für uns ein und gaben uns die Unterstützung, die wir brauchten. Das erste Jahr in der Ausbildung war sehr anstrengend, und dann kam Corona noch dazu. Im Juli 2021 schloss ich erfolgreich meine Ausbildung ab. Jetzt stand meinem Wunsch, mit meiner Familie in Deutschland zusammenzuleben nichts mehr im Weg.

Heute leben wir gemeinsam in Nordheim. Mein Mann arbeitet in Vollzeit, mein Sohn geht hier zur Schule. Wir sind angekommen, haben Wurzeln geschlagen und erlebt, wie viel Gutes entstehen kann, wenn Menschen einander helfen. Auch deshalb engagiere ich mich heute gerne mit vielen anderen im Freundeskreis Miteinander. Denn nur gemeinsam können wir an einer guten Zukunft bauen.

Esmeralda, Freundeskreis Miteinander, Oktober 2026 / Vorwort Gemeindediakon Bernd Maier

Esmeralda Koka
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