Mitteilungsblatt Nordheim

Mitteilungsblatt > Rubrikenübersicht > Neues aus Nordheim und Nordhausen > Mobilfunkstandort beim früheren Feuerwehrgerätehaus in Nordhausen

Neues aus Nordheim und Nordhausen

Mobilfunkstandort beim früheren Feuerwehrgerätehaus in Nordhausen

Erfasst von: Redaktion, DS (12.01.2021)

Zuletzt wurde Anfang 2020 im Mitteilungsblatt und auf www.nordheim.de umfassend über die geplante Aufstellung eines Funkmastens in Nordhausen informiert. Die damaligen Unterlagen sind nach wie vor auf der Homepage der Gemeinde vorhanden. (www.nordheim.de/Wohnen und Arbeiten/Telefon, Internet und Mobilfunk)

 

 

(K)ein Funkmast wie jeder andere?

 

Gegen das Baugesuch sind Einwendungen erhoben wurden, über welche das Landratsamt Heilbronn als Baurechtsbehörde zu entscheiden hat.

Insbesondere von Anwohnern im Bereich des geplanten Standortes wurden auch an die Gemeindeverwaltung Fragen gestellt und Bedenken formuliert. Diese Fragen wurden an die Deutsche Funkturm GmbH bzw. an die Deutsche Telekom weitergegeben, auch um die Bewertung denkbarer Alternativ-Standorte wurde gebeten.

Die kurz vor Weihnachten bei der Gemeindeverwaltung eingegangene Antwort der Deutschen Telekom wird nachstehend vollständig abgedruckt:

 

Grundsätzliches zu Planungsparameter/Standortauswahl

Der in der Ortschaft zentral gelegene Standort erweist sich aus mehreren Gründen als idealer Mobilfunkstandort mit Zukunftspotential.

Grundsätzlich ist die Wahl des Standortes abhängig des Versorgungsziels – im Falle des geplanten Standortes liegt das Versorgungsziel ausschließlich auf den Gemeindebereich Nordhausen.

Generell ist die Topographie im Versorgungsbereich zu berücksichtigen – funktechnisch ist es unabdingbar, dass die Mobilfunkantennen höher als der zu versorgende Bereich liegen. Dies kann entweder an einer topografisch höher gelegenen Position oder mittels Mast- oder Dachträgeraufbau erreicht werden.

 

- Früher – in den Zeiten des großen GSM Ausbaus zum Zweck der Sicherstellung einer reinen Sprachversorgung -  wurden Mobilfunkstandorte überwiegend in der Fläche, auf freiem Feld und gerne in exponierter Lage errichtet. Ziel war es hier, mit nur einem Standort möglichst viel an Fläche und idealerweise mehrere Gemeinden zu versorgen. Für GSM im 900 MHz Frequenzbereich war dies technisch sinnvoll, generell möglich und ausreichend. Heute ist die reine Telefonie eher ein „Nebenprodukt“ – der seitens Markt und Gesellschaft getriebene Fokus liegt heutzutage eindeutig auf der Datenversorgung. Hier werden gänzlich andere Planungsparameter notwendig. Um eine entsprechend hohe Datenrate (Geschwindigkeit) bereitstellen zu können, ist es funktechnisch wichtig, möglichst nah an den Kunden zu kommen. In Anbetracht der starken Zunahme an Datenbedarf und dem zu erwartenden weiteren exponentiellen Anstieg in den nächsten Jahren, wird die kundennähe zu einem der wichtigsten Planungsparameter. Zudem wird die physikalische Ausbreitungseigenschaft der jeweilig genutzten Mobilfunkfrequenz verstärkt zum Faktor – je höher die genutzte Frequenz, desto geringer die Versorgungsreichweite sowie die Wahrscheinlichkeit einer qualitativ guten Versorgung im Gebäudeinneren. Grob kann von einem Versorgungsradius von 1 – 1,5 km rund um den Mobilfunkstandort ausgegangen werden, in welchem wir eine gleichbleibend gute Versorgungsqualität – auch im Innenbereich – erreichen können.

- Umso näher der Standort am Kunden – umso geringer die Immission. Insgesamt ist anzumerken, dass wir uns mit sämtlichen Funkanlagen zu keinem Moment oberhalb der gültigen Grenzwerte bewegen – de facto diese sogar deutlich unterschreiten. Die durchschnittliche Grenzwertausschöpfung für Mobilfunkanlagen im ländlichen Bereich liegt bei ca. 25 %. Umso geringer die Distanz zwischen Endgerät und Station, umso geringer die beidseitige notwenige Sendeleistung und somit umso geringer die Umweltimmission.

Ein Mobilfunkstandort wird in der Regel – wie auch bei der Planung in Nordhausen – mit 3 Sektorantennen betrieben, welche in entsprechender Ausrichtung eine 360 Grad Versorgung rund um den Standort ergeben. Die Antennen müssen technisch so ausgerichtet sein, dass zwischen den Antennen ein Abstand von 100 Grad besteht. Jede Antenne bringt eine gewisse Kapazität (Nutzer welche versorgt werden können – Bandbreite welche sich auf alle Nutzer aufteilt). Positioniert man den Standort mittig im Versorgungsbereich, schaffen wir eine vollflächige 360 Grad Versorgung rund um den Mobilfunkstandort. D.h. die maximale mögliche Kapazität eines Standortes kann ausgeschöpft werden, wovon jeder Nutzer hinsichtlich Netzperformance profitieren wird. Positioniere ich einen Standort am Rande des Versorgungsbereichs ist es technisch lediglich möglich mit nur einer Antenne zu versorgen.

 

Auf dem Foto sind zwei vorgeschlagene Alternativstandorte eingetragen.

 

Warum ist der Standort Feuerwehrhaus funktechnisch ideal?

- Er ist zentral gelegen, nah am Nutzer - somit funktechnisch ideal gelegen um im Versorgungsbereich (also die gesamte Gemeinde) nahezu vollflächig mit performanten Mobilfunkdiensten in hoher Qualität bereitstellen zu können.

- Als Dachstandort ist er hinsichtlich der Realisierungszeit deutlich schneller umzusetzen als ein Maststandort im Außenbereich. Der Infrastrukturbau (Mastbau) fällt hier weg.

- In Anbetracht der zu erwarten weiterhin starken Zunahme an Datenbedarf ist es wichtig, die maximale Kapazität eines Standortes ausnutzen zu können -> Hinweis Antennenausrichtung, 360 Grad Versorgung.

- Infrastruktur wie Glasfaser und Strom sind unkompliziert abzugreifen.

- Insgesamt gilt der Standort als zukunftsfähig.

Warum sind die vorgeschlagenen Alternativen nicht oder nur bedingt funktechnisch geeignet?

Die Alternativen „beim Birnbaum“ und „am Breibach“ liegen außerhalb der Gemeinde, „beim Birnbaum“ (Ortsangaben durch Gemeindeverwaltung eingetragen) zusätzlich weit südlich. Um hier die äußersten Bereiche im Norden, Westen und Osten zu versorgen würde ein Mastbau von ca. 30 Meter notwendig werden.

Zudem würden wir technisch den Gemeindebereich mit lediglich einer Antenne, somit lediglich mit nur einem Drittel der maximalen Versorgungskapazität versorgen können.

In der Momentaufnahme wäre der Standort hinsichtlich der zu bereitstellenden Versorgungsqualität und Bandbreite noch ausreichend - in Anbetracht des zu erwartenden Anstieges an Mobilfunknutzung und Datenbedarf würde der Mobilfunkstandort aufgrund der maximalen Kapazitätsausnutzung von lediglich einem Drittel des theoretisch möglichen, schätzungsweise in 5-8 Jahren an seine Kapazitätsgrenze kommen. Somit würden wir mittelfristig in die Diskussion von zusätzlichen Optimierungsmaßnahmen, also einem zusätzlichen Mobilfunkstandortes in Nordhausen kommen.

- Bei Maststandorten bedarf es einer zusätzlichen Realisierungszeit von 1-2 Jahren für das Mastwerk bzw. ggf. einer Glasfaser-/Stromanbindung.

- Beim geplanten Standort auf dem Feuerwehhaus rechnen wir mit einem Invest von ca. 100.000 €. Bei einem Maststandort erhöhen sich die Realisierungskosten um einen Faktor 2 bis 3.

Die Deutsche Telekom hält an den Planungen Feuerwehrhaus fest.

- Der Standort Feuerwehrhaus ist vertraglich gesichert, der Bauantrag wartet aktuell auf seine Freigabe. Eine Planungsänderung würde die Rückstellung der Ausbaupläne bedeuten und einen Zeitverzug von 2-3 Jahren bis zur erneuten Planungsaufnahme mit sich bringen.

- Als Wirtschaftsunternehmen sind wir angehalten und bestrebt, wirtschaftlich zu handeln. Eine Planungsänderung würde neben den erheblichen Mehrkosten für den Mastbau zusätzliche Kosten für die Neuplanung bringen.

- Den Standort Feuerwehrhaus sehen wir – wie in der Ausführung dargestellt – als idealen, zukunftsfähigen Mobilfunkstandort an. Die Gemeinde wird langfristig von einer potenten und modernen Mobilfunkversorgung profitieren.

- Aufgrund der angeführten Fakten sind wir in Anbetracht des Planungsfortschrittes nicht gewillt, mit dem Feuerwehrhaus einen insgesamt idealen Standort zugunsten einer funktechnisch schlechteren und wesentlich Zeit- und Kostenintensiveren Alternative aufzugeben.

Diese Antwort der Telekom ist als Ergänzung zu den schon bisher veröffentlichten Informationen und Unterlagen zu sehen. Ob gegen die erwartete Baugenehmigung Einwendungen erhoben werden, bleibt abzuwarten.