Maischerz

Maischerz 2017 – Nachtrag

Mit Bedauern, aber sehr gerne, berichten wir nachträglich von einem weiteren Maischerz. Bedingt durch das schlechte Wetter am diesjährigen Tag der Arbeit und beeindruckt von der Beschilderungsaktion rund um Nordhausen (wir berichteten), ist (fast) unbemerkt geblieben, dass es weitere Aktivitäten gab. 

Dabei war die Aktion des sich dazu bekennenden „Kulturkreis 1. Mai“ nicht nur künstlerisch, sondern auch ökologisch wertvoll. Durch seine großformatige Erläuterung zur Wasserralle, eines Vogels, den früher (also vor den Überlegungen zur Ortsumfahrung Nordhausen) niemand kannte, den noch niemand sah, den jedoch einer meinte zu hören, hat der Kulturkreis nun Wissenslücken beseitigt. Am Holzzaun des Biotops Seewiesen, der als Sichtschutz für die (vielleicht doch vorhandene?) Wasserralle aufgestellt wurde, hat der Kulturkreis in der Form zur Allgemeinbildung beigetragen, dass eine Wasserralle (unverkennbar!) in auch für Sehbehinderte wahrnehmbarer Größe und mit den für uns wesentlichen und ausreichenden Erläuterungen dargestellt wurde. Schade, dass der ansonsten gewünschte Regen dem gelungenen Werk rasch den Garaus gemacht hat.

Wir bedauern zutiefst, die "Kulturfreunde 1. Mai" der Untätigkeit verdächtigt zu haben und freuen uns auch hier auf ein Wiedersehen im nächsten Jahr.

 


 

Ein Hoch auf Europa

Was den Ausschlag gab, dass das Sondereinsatzkommando „SEK 1. Mai“ sich in diesem Jahr mit Europa beschäftigte, mag der Fantasie jedes Einzelnen überlassen bleiben. Wir sehen es als Plädoyer PRO.

Mit ebenso aufwändiger wie gekonnter Beschilderung bis hin zum (offenen) Schlagbaum wurde angedeutet, wie es im Verhältnis zu unseren französischen Nachbarn aussehen könnte, hätten wir das europäische Zusammenwachsen nicht schon weit vorangebracht.

Bevor das schlechte Wetter am 1. Mai die aufgestellten Schilder teilweise umgeworfen hat, haben viele Autofahrer gestaunt. Ausführlich war im Bereich der Nordhausener Ortseingänge jeweils ein Grenzübergang zwischen Deutschland (Nordheim) und Frankreich (Nordhausen) ausgeschildert. Da der Schlagbaum Richtung Nordheim glücklicher Weise geöffnet war, hatte das eher einladenden als abweisenden Charakter.

 

 

Nordhausen wurde zu Frankreich erklärt, …

 

 …Nordheim mit der Bundesrepublik Deutschland gleichgesetzt.

 

Die Grenzen sind Gottseidank offen…

 

 … und erfreulicher Weise haben auch die Meisten kapiert, dass die Nordhausener Oststraße nicht zur Autobahn erklärt wurde.

 

Der historische Bezug wurde durchaus nachvollziehbar hergestellt, denn der Waldenserort Nordhausen hat ja durch seine Entstehungsgeschichte Bezug zu Frankreich bzw. zum Piemont im französisch-italienischen Grenzgebiet.

Die Einbeziehung der Ortsumfahrung Nordhausen in den diesjährigen Maischerz war im Grunde zu erwarten. Mit der Proklamation, die an den beiden Ortseingangstafeln Nordhausens zu lesen war, sicher aber nicht von Vielen wahrgenommen wurde, haben sich die Akteure allerdings etwas vergaloppiert. Folgender Text wurde veröffentlicht:

„Im Jahre 1700 kam eine Gruppe von Menschen, die aus ihrer Heimat vertreiben wurde hier her und fand ein neues Zuhause. Man baute eine Straße die durch ihre Mitte führte, um Menschen zu verbinden. Heute im Jahre 2017, exakt 317 Jahre später wird eine Straße gebaut die die Menschen voneinander trennt. Nordheim und Nordhausen, durch eine Straße gespalten, durch die Menschen vereint!!!“

Mit dieser Aussage wird der Kreis der Akteure doch etwas eingeschränkt. An der heutigen vielbefahrenen Landesstraße L 1106 wohnen Sie jedenfalls kaum. Denn wer dort wohnt, egal ob in Nordheim oder Nordhausen, der kann dieser Aussage kaum folgen. Er empfindet mit Sicherheit die Straße so, wie sie heute mit allen negativen Wirkungen ist, als spaltend, und das für beide Ortsteile. Eine Spaltung wird durch die derzeit im Bau befindliche Ortsumfahrung eben gerade nicht herbeigeführt, sondern endlich aufgehoben.

Wir wollen aber vor allem das Erfreuliche an der Botschaft festhalten und bestätigen. Denn tatsächlich sehen es die allermeisten so, dass die Bürgerinnen und Bürger aus Nordheim und Nordhausen nach über 40 Jahren formaler Zusammengehörigkeit in einer Gemeinde sich vereint fühlen und das auch so leben. Dass jeder Ortsteil seine Eigenständigkeit behalten soll, steht dem Zusammengehörigkeitsgefühl und dem guten Miteinander nichts im Wege.

Wenn die Staaten im vereinten Europa das auch schaffen, dann ist es gut.

Die Bilder aller Details zum Thema können im Internet unter www.nordheim.de betrachtet werden. Vielen Dank ans SEK; dem nächsten 1. Mai sehen wir mit Interesse entgegen.

 

Weitere Bilder- hier Diaschau:

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