Funktionierende Ortsmitte ist kommunale Daueraufgabe

Hausärztliche Versorgung ist wichtig, aber nicht selbstverständlich

Unter kommunaler Grundversorgung versteht man das Angebot an Gütern und Dienstleistungen, welches von den Einwohnern benötigt wird. Es liegt auf der Hand, dass es je nach Größe, Lage, Struktur usw. hier deutliche Unterschiede gibt, wenn auch gleichwertige Lebensverhältnisse ein formuliertes Ziel der Landespolitik sind.

Weniger im Fokus stehen z. B. die Wasserversorgung oder die Abwasserbeseitigung, die Stromversorgung oder die Müllabfuhr, die Friedhöfe oder die Feuerwehr. Schon etwas mehr diskutiert wird regelmäßig über den ÖPNV, über die Bildungs- und Betreuungseinrichtungen oder z.B. über die Krankenhäuser.

Bei Letztgenannten sind Angebote enthalten, welche die Leistungsfähigkeit einer Gemeinde unserer Größenordnung überschreiten würden. Zur Basisausstattung gehört aber – neben weiteren Elementen - ohne Zweifel eine ausreichende hausärztliche Versorgung; sie ist das Kernelement der Gesundheitsversorgung.

Laut Bedarfsplanung soll es in Baden-Württemberg für je 1.670 Einwohnern einen Hausarzt geben. Aktuell liegt das Verhältnis im landesweiten Schnitt bei etwa 1.500 Einwohnern je Hausarzt. Doch wie geht es weiter? Wie sieht die Zukunft der ärztlichen Versorgung aus, angesichts auch in diesem Bereich drastisch durchschlagender Entwicklungen?

Viele Hausärzte gehen in den nächsten Jahren in Ruhestand und die bloße Zahl der nachrückenden Mediziner lässt erwarten, dass ein Ausgleich nicht möglich ist. Dazu kommt, dass auch Medizin zunehmend weiblich wird. Das ist keineswegs ein Nachteil, aber einen Blick wert. Es ist eben Fakt, dass im Zuge von Familienplanung und -aufbau Frauen mindestens zeitweise, in unterschiedlichem Grad auch über längere Zeit nur anteilig beschäftigt sind. Dabei gilt absolut auch für männliche Aspiranten, dass der typische Hausarzt früherer Prägung, den man bei Bedarf praktisch jederzeit erreichen konnte, ein Auslaufmodell ist. Nachvollziehbar legt auch der ärztliche Nachwuchs Wert auf ein vertretbares Verhältnis zwischen Arbeit und Privatleben; Stichwort „work-life-balance“.

Und wie sind die Perspektiven für unsere Gemeinde? Bisher ist die Welt im Wesentlichen in Ordnung.

Drei Praxen gewährleisten die hausärztliche Versorgung am Ort. In der Imenstraße praktizieren gemeinsam Frau Dr. Müller und Herr Köhler. In der Oberen Gasse ist die Praxis von Frau Haghir und in der Hauptstraße die der Eheleute Dr. Kurt Pytlik und Monika Pytlik.

Das aktuelle Jubiläum der Praxis Pytlik verdient eine besondere Erwähnung. Als Dr. Kurt Pytlik 1988 in der Hauptstraße 46 seine Praxis eröffnete, war das ein echter Gewinn für die Gemeinde. Groß war die Freude erst recht, als etwa 2 Jahre später auch Monika Pytlik als Ärztin in die Praxis eintrat. Stets haben die Pytliks auf permanente Fortbildung Wert gelegt und auf gute Kontakte zu ihren Patienten und der Gemeinde. Das ist offenbar gelungen, denn viele Patienten vertrauen den Eheleuten Pytlik seit 30 Jahren. Ganz besonders bemerkenswert ist, dass auch die 3 Mitarbeiterinnen der Praxis Pytlik seit 27 Jahren das Arztehepaar unterstützen. Inzwischen tritt Dr. Kurt Pytlik etwas kürzer, doch Monika Pytlik ist nach wie vor in vollem Einsatz für die Gesundheit ihrer Patienten. Zu diesem Jubiläum gratulieren wir der gesamten Praxis sehr herzlich.

 

Dass in Zeiten tiefgreifender Veränderungen die in unserer Gemeinde derzeit noch intakte Grundversorgung nicht automatisch Bestand haben wird, das sollte jedem klar sein. Das gilt auch für die hausärztliche Versorgung. Schon heute besteht rechnerisch ein Defizit. Zu befürchten ist, dass sich das vergrößert, wenn die ersten der heute praktizierenden Ärzte kürzertreten oder in Ruhestand gehen. Neben den oben schon erwähnten Aspekten spielen dann weitere Rahmenbedingungen eine Rolle, wenn es für Ärztenachwuchs darum geht, wo der künftige Beruf ausgeübt werden soll. Fragt man die Kassenärztliche Vereinigung, deren originärer Auftrag ist, die ärztliche Versorgung sicherzustellen, dann muss man sich an die Anforderungen einer neuen Ärztegeneration anpassen. Der Trend geht eindeutig zu kooperativen Praxismodellen (z.B. Gemeinschaftspraxis), gesucht wird die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und häufig wird eine Anstellung gesucht, die dem unternehmerischen Risiko vorgezogen wird.

Wie sehen Lösungsansätze aus? Die aufkommende Telemedizin kann mit zunehmenden technischen Möglichkeiten eine wertvolle Ergänzung zum direkten Arztkontakt werden. Ersetzen kann sie eine hausärztliche Versorgung aber nicht, höchstens ergänzen. Weitere Stichworte liegen außerhalb der kommunalen Einflussmöglichkeiten, wie z.B. Erhöhung der Studienplätze, Einführung einer Landarztquote o.ä.

Vor diesem Hintergrund hat der Gemeinderat die Chance beim Schopf gepackt und ist dort aktiv geworden, wo dies der Gemeinde möglich ist. Wenn ärztlicher Nachwuchs sich für Nordheim interessieren soll, dann müssen die Grundvoraussetzungen stimmen. Dazu gehören insbesondere zeitgemäße, ausreichend große, barrierefreie und zentral gelegene Räume. Diese Voraussetzungen werden erfüllt in dem Gebäude, das derzeit in der unteren Hauptstraße erstellt wird, wo früher das Elektrogeschäft Haug und das Gasthaus Lamm standen. Zunächst hat die pbs dort ein reines Wohngebäude geplant. In Abstimmung mit der Gemeinde und einem erfahrenen Praxisplaner wurde das Vorhaben jedoch geändert. Das komplette Erdgeschoß (rund 300 qm, von der Kirchstraße aus ebenerdig, von der Hauptstraße aus mit Aufzug) wird zu Praxisräumen für die künftige hausärztliche Versorgung unserer Gemeinde ausgebaut. Die Gemeinde freut sich sehr, dass mit Frau Haghir eine der schon am Ort praktizierenden Allgemeinmedizinerinnen den Umzug in die neue Praxis auf sich nimmt. Gemeinsam mit der Gemeindeverwaltung ist Frau Haghir nun auf der Suche nach ärztlicher Verstärkung, die heute schon dringend gebraucht werden kann.

Geplant ist, dass das neue Haus Anfang April 2019 fertig wird. Bis dahin einen weiteren Arzt oder eine weitere Ärztin zu gewinnen, die – vielleicht auch in Teilzeit? – in der neuen Praxis mitarbeiten möchten, wäre ein Glücksfall. Der Gemeinderat weiß: wir müssen vielleicht Geduld haben. Die Suche nach Mediziner-Nachwuchs läuft und vielleicht hilft auch der Zufall – oder gar Sie? Wenn Sie etwas wissen oder jemanden kennen oder …, bitte kommen Sie auf die Gemeinde zu.

 

Derzeit noch Baustelle ist das markante Gebäude an der östlichen Einfahrt zur Ortsmitte. Ins markierte Geschoss wird Frau Haghir mit ihrer Allgemeinarztpraxis einziehen. Findet sich bald Verstärkung, um dauerhaft die hausärztliche Versorgung zu sichern?

Klar ist: mit der neuen und modernen Arztpraxis haben wir die Chance, auch künftig eine ausreichende Besetzung mit Hausärzten am Ort zu haben. Ohne diese weitsichtige Entscheidung des Gemeinderates ist nicht erkennbar, wo ein junger Arzt/eine junge Ärztin sich seine Vorstellungen erfüllen könnte.

Übrigens: Genauso wie über die derzeit noch ausreichende hausärztliche Versorgung freut sich die Gemeinde auch über die Zahnärzte am Ort, nämlich die Praxen von Herrn Behrens, Dr. Rheindt und Dr. Ritter. Und auch die Physiotherapie-Angebote von Frau Yüksek, Frau Seyb, Frau Schaarschmidt und Fußpflege Kronwald sind wichtige Bestandteile der lokalen Gesundheitsversorgung. Fachärzte anzusiedeln, so wünschenswert dies wäre, ist derzeit keine realistische Option. Auch hierzu ist ein wachsames Auge auf die möglicher Weise einmal entstehende Chance jedoch Daueraufgabe der Gemeindeverwaltung.