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Mitteilungsblatt Nordheim

Neues aus Nordheim und Nordhausen (Archiv)

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„Geschichte“ des Monats

Erfasst von: Widenmeyer stillgelegt, Lisa | 07.05.2012 – 21.05.2012

Nordheim, Hölderlin und Gock – eine interessante Begegnung!

Dass Friedrich Hölderlin in Lauffen a.N. geboren ist und ein bekannter Dichter war, ist vielen Menschen bekannt. Dass aber sein Stiefvater, den er im Alter von 4 Jahren bekam, der Sohn des Nordheimer Schulmeisters Gock war, ist weniger bekannt. Und dass sein Halbbruder Carl Christoph Friedrich Gock sich hohe Verdienste um den württembergischen Weinbau erwarb und dafür sogar geadelt wurde und sich danach „von Gock“ nennen durfte, wird wohl ebenfalls weniger bekannt sein. Deshalb soll an dieser Stelle etwas Licht in das Dunkel dieser Familiensaga gebracht werden:

 

Friedrich Hölderlin wurde am 20. März 1770 in Lauffen a.N. als Sohn des Klosterpflegers Heinrich Friedrich Hölderlin und dessen Ehefrau, der Pfarrerstochter Johanna Christiana, geborene Heyn geboren. Als Hölderlin 2 Jahre alt war, starb am 5.7.1772 sein Vater im Alter von nur 36 Jahren an einem Schlaganfall. Hölderlins Schwester Maria Eleonora Heinrike („Rike“) kam 6 Wochen nach dem Tod des Vaters zur Welt, und am 25.9. des selben Jahres starb auch noch der Großvater Johann Andreas Heyn, der Pfarrer in Cleebronn war. Es waren schwere Zeiten für die junge Hölderlin-Witwe und ihre Kinder.

                                                                                                Hölderlins Mutter

Zwei Jahre nach dem Tod ihres Mannes heiratete Johanna Christiana Hölderlin einen guten Freund ihres verstorbenen Mannes, den damaligen Schreiber von Lauffen, Johann Christof Gock. Dieser war der erste Sohn des Nordheimer Schulmeisters Johann Michael Gock (Schulmeister von 1746 – 1782). Seine Mutter brachte 18 Kinder zur Welt, nur 4 davon wurden erwachsen. Am 18. Kind starb Christina Rosina Gock, sie war erst 40 Jahre alt. Eintrag im Totenbuch: gestorben “an harter Geburt, also dass Mutter und Kind beysammen geblieben...“.

 

Der Lehrersohn aus Nordheim und nun zweiter Ehemann von Johanna Christiana Hölderlin geb. Heyn, Johann Christof Gock, war ein tatkräftiger Mann. Er erwarb in Nürtingen den „Schweizer Hof“, ein stattliches Anwesen an der Neckarsteige. In Nürtingen betrieb er Landwirtschaft und begann mit seinem Freund, Oberamtmann Bilfinger, einen Weinhandel. Außerdem übernahm er städtische Ämter und wurde 1776 Bürgermeister in Nürtingen (Bürgermeister nannte man damals den heutigen Gemeindepfleger bzw. Kämmerer). Dem Ehepaar Gock wurden 4 Kinder geboren, aber nur eines davon wurde erwachsen: Carl Christof Friedrich Gock, geboren am 29.10.1776. Zu diesem Stiefbruder hatte der über 6 Jahre ältere spätere Dichter Friedrich Hölderlin ein sehr gutes Verhältnis, ebenso zu seinem Stiefvater, der ihm „ein zweiter Vater“ war. Doch auch dieses Familienglück währte nicht lange. Keine fünf Jahre nach der Eheschließung starb Johann Christof Gock am 13.3.1779 an einer Lungenentzündung. Friedrich Hölderlin war zu diesem Zeitpunkt 9 Jahre, seine Schwester Heinrike 6 Jahre und sein Halbbruder Carl Friedrich Gock zweieinhalb Jahre alt. Friedrich trat 1784 in die niedere Klosterschule in Denkendorf bei Nürtingen ein, nach der Konfirmation besuchte er die evangelischen Klosterschulen (Gymnasien) in Denkendorf (Württemberg) und Maulbronn. Dem Wunsch der Mutter nach dem Pfarrersberuf folgend begann Hölderlin 1788 sein Theologiestudium im Tübinger Stift. 1790 schrieb er seine Magisterarbeit, 1791 erste Publikationen, Abschlussexamen, Hauslehrer an verschiedenen Stellen. Hölderlin bekam zunehmend psychische Probleme und wurde 1806 gegen seinen Willen ins Tübinger Autenriethsche Klinikum eingeliefert. Die Therapieversuche blieben ohne Erfolg und Hölderlin wurde 1807 als unheilbar krank aus der Klinik entlassen und dem Tischlermeister Zimmer in Tübingen zur Pflege übergeben. 1828, nach dem Tod von Hölderlins Mutter, wurde in Nürtingen ein Pfleger für Hölderlin bestellt, dem unter anderem die Verwaltung seines Erbes oblag. Hölderlin lebte rund 36 Jahre im Turm in Tübingen und starb dort am 7. Juni 1843 im Alter von 73 Jahren.

 

Hölderlins Halbbruder Carl Friedrich Gock genoss zwar nicht das Glück, studieren zu dürfen, dennoch machte er eine sehr erfolgreiche Karriere. Er begann 1790 mit seiner Lehre als Stadtschreiber in Nürtingen. 1797 wurde er Ratsschreiber in Markgröningen, 1802 Amtsschreiber beim Oberamt Nürtingen, 1803 Amtsschreiber und Amtspfleger beim Oberamt Zwiefalten. 1811 wurde Carl Friedrich Go(c)k (spätere Schreibweise „von Gok“) Kameralverwalter in Gmünd, vier Jahre später (1815) war er Stadt- und Amtsschreiber in Tettnang. Seine Karriere wurde immer steiler, schließlich wurde er 1816 Finanzrat beim Departement des Innern und 1817 Hofdomänenrat. Gock war Gründungsmitglied und erster Vorstand (1825-1833) der Gesellschaft für die Weinverbesserung in Württemberg. In den 1820er und 1830er Jahren hat er sich mit großem Engagement für den Weinbau allgemein, besonders aber für die Rebsortenkultur und die Weinbereitung in Württemberg eingesetzt. Carl von Gok publizierte zahlreiche Fachbeiträge und Bücher zum Thema Rebsortenkunde und Weinverbesserung. Für seine Verdienste um die Rebkultur und den Weinbau in Württemberg wurde Gok von König Wilhelm I. sogar geadelt.

Carl Gock geriet neben seinem Halbbruder Friedrich Hölderlin etwas in Vergessenheit. Eine weitergehende Beschäftigung mit der Leistung von Carl Friedrich von Gok für den württembergischen Weinbau wären deshalb für eine Weinbaugemeinde wie Nordheim eine lohnenswerte Aufgabe!

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